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| EAI - das Tool XI richtig eingesetzt |
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| | Viele Experten sind der Meinung, dass EAI (Enterprise Application Interaction) die Lösung aller existierenden Integrationsprobleme sein wird. Zum Glück gibt es eine Reihe entsprechender Werkzeuge auf dem Markt! Aber Vorsicht, der richtige Einsatz ist immer noch entscheidend für Erfolg oder Misserfolg eines solchen Tools.
Deshalb ist es wichtig, bei der Einführung eines Integrationswerkzeuges auf einige Punkte zu achten. Im folgenden Bericht möchte ich Ihnen das Integrationsprodukt XI von SAP näher bringen, sowie auf die Einführung und den sinnvollen Einsatz näher eingehen.
Falls Sie sich mit EAI noch nie beschäftigt haben empfehle ich Ihnen vorgängig den Artikel: „Das Schnittstellen Chaos in der Informatik“ (siehe Link am Ende dieses Artikels). Dieser Bericht beschreibt die Probleme in der Informatik, welche durch den Einsatz von EAI-Tools gelöst werden können.
Nutzen Sie noch heute die Informationen in diesem Bericht!
In der Informatik hat in den letzten Jahren das Thema Systemintegration sehr stark an Bedeutung gewonnen. Begriffe wie EAI (Enterprise Application Integration) werden als neue Technologien und Ansätze der Systemintegration gepriesen. Viele Experten sind der Meinung, dass EAI die Lösung aller existierenden Probleme sein wird, weil man mit Hilfe von EAI alle bekannten Integrationsprobleme leicht und einfach in den Griff bekommen kann. Die bestehenden Probleme werden sich quasi „in Luft auflösen“. Schön wär’s, aber leider müssen Sie auf dem Weg dorthin doch einiges beachten und tun.
Auch Sie sollten sich bereits heute mit diesem Thema beschäftigen. Dieser Bericht beschreibt den Einsatz der Integrationsplattform XI von SAP. Mit diesem Verständnis werden Sie in der Lage sein, in Ihrem Unternehmen beim Thema Systemintegration entscheidend mitzuwirken. Nehmen Sie sich deshalb einige Minuten Zeit, um mit Hilfe der nachfolgenden Ausführungen Ihr Wissen zur Systemintegration zu aktualisieren.
Wo wird XI in der bestehenden Systemlandschaft auftauchen?
Bevor ich näher auf das Produkt eingehe will ich Ihnen zuerst zeigen, wo in der Systemlandschaft XI seinen Platz haben wird, wie es in die bestehende Welt integriert wird? Halten Sie sich diese einfachen Architekturen für den weiteren Verlauf dieses Artikels vor Augen. Denn dadurch machen einige der folgenden Ausführungen wesentlich mehr Sinn und werden damit klarer verständlich.
Zur vereinfachten Darstellung wurden in den folgenden Grafiken immer nur zwei Systeme in das jeweilige Szenario eingebunden. In der realen Welt wird das ganze Systemgefüge selbstverständlich wesentlich komplexer sein, da im Extremfall mehrere 100 Systeme miteinander in Beziehung stehen können.
Wo also kann XI in unserer Systemlandschaft auftreten? Hier zwei einfache Szenarien, jeweils ohne XI (heute) und mit XI (Zukunft):
Szenario 1: Punkt-zu-Punkt-Verbindung zwischen 2 Systemen innerhalb der eigenen Unternehmensgrenzen
Abbildung 1 - firmeninterne Schnittstellen ohne Integrationsplattform
- SAP-System A sammelt die zu übertragenden Daten in einer Struktur (zBsp als IDoc), sucht den Empfänger und macht falls notwendig empfängerspezifische Anpassungen (Mapping)
- die Daten werden in dieser Struktur an SAP-System B gesendet
- SAP-System B verarbeitet die Datenstruktur, falls notwendig werden auch hier nochmals Anpassungen (Mapping) gemacht
Hier haben wir eine klassische Punkt-zu-Punkt-Verbindung, wo die Datenstrukturen zwischen Sender und Empfänger übereinstimmen müssen (wie eine gemeinsame Sprache). Ist dies nicht der Fall, verstehen sich die beiden Systeme nicht und die Daten können beim Empfänger nicht verarbeitet werden.
Abbildung 2 – firmeninterne Schnittstellen über Integrationsplattform- SAP-System A sammelt die zu übertragenden Daten in einer Struktur (zBsp als IDoc) und sucht den Empfänger (hier ein XI)
- die Daten werden in dieser Struktur an den XI gesendet
- XI empfängt die Daten, sucht mit Hilfe der Daten in der Struktur den Empfänger und macht falls notwendig empfängerspezifische Anpassungen (Mapping)
- XI sendet die Daten (zBsp wieder als IDoc) an SAP-System B
- SAP-System B verarbeitet die Daten
Wie Sie sehen, haben wir hier keine klassische Punkt-zu-Punkt-Verbindung mehr, sondern der XI wurde zwischen die SAP-Systeme geschaltet. Dies hat den Vorteil, dass die Datenstrukturen zwischen Sender und Empfänger nicht mehr übereinstimmen müssen, da der XI mittels Mapping auch unterschiedliche Strukturen erstellen kann. Der XI übernimmt damit die Übersetzung von einer Sprache in die andere.
Szenario 2: Kommunikation zwischen Systemen zweier Firmen mittels EDI
Abbildung 3 – klassisches EDI-Szenario ohne Integrationsplattform
- SAP-System A sammelt die zu übertragenden Daten in einer Struktur (zBsp als IDoc) und sucht den Empfänger (hier ein EDI-Subsystem)
- die Daten werden in dieser Struktur an das EDI-Subsystem A gesendet
- das EDI-Subsystem mappt das IDoc in einen EDI-Übertragungsstandard, zBsp EDIFACT. Im EDI-Subsystem werden die Empfängerdaten in die technischen Daten der Firma B übersetzt
- das EDI-Subsystem sendet die Daten an Firma B
- auch Firma B verfügt über ein EDI-Subsystem, welches die Daten aus dem EDI-Format wieder in die gewünschte Struktur überträgt. Das EDI-Subsystem macht gleichzeitig auch eine Empfängerermittlung um das Zielsystem herauszufinden
- die Daten werden vom EDI-Subsystem an das Empfängersystem gesendet
- SAP-System B verarbeitet die Daten
Hier haben wir das klassische EDI-Szenario mit 2 EDI-Subsystemen, welche das Mapping entsprechend den Anforderungen des Sender- und Empfängersystems durchführen. Zwischen den Firmen wird vorher vereinbart, in welchem EDI-Standard die Daten übertragen werden. Somit können die beiden Firmen in ihren Systemen mit völlig unterschiedlichen Strukturen arbeiten, da das EDI-Format als gemeinsame Sprache zwischen den EDI-Subsystemen dient.
Abbildung 4 – EDI-Szenario mit Integrationsplattform XI auf mindestens einer Seite
- SAP-System A sammelt die zu übertragenden Daten in einer Struktur (zBsp als IDoc) und sucht den Empfänger (hier ein XI)
- die Daten werden in dieser Struktur an den XI gesendet
- XI übersetzt die Daten in eine für den Empfänger verständliche Sprache. Dies kann ein EDI-Format oder XML wie zBsp: ebXML, xCBL, etc. sein. Mit Hilfe der Daten in der Struktur wird der Empfänger ermittelt
- der XI sendet die Daten an Firma B
- Firma B verfügt über ein EDI-Subsystem oder auch einen XI. Dieses System übersetzt die empfangenen Daten aus dem EDI-Format in die gewünschte Datenstruktur. Gleichzeitig macht der XI auch eine Empfängerermittlung um das Zielsystem herauszufinden
- die Daten werden an das Empfängersystem gesendet
- SAP-System B verarbeitet die Daten
Grundsätzlich ist die Architektur mit und ohne XI identisch. Der grosse Vorteil liegt darin, dass XI auch die Aufgaben eines EDI-Subsystems übernehmen und damit diese Systeme ersetzen kann. D.h. mit dem XI können Schnittstellen auch über Firmengrenzen hinaus abgewickelt werden. Hierzu benötigen Sie allerdings zusätzliche EDI-Adapter, die diese Aufgaben des EDI-Subsystems übernehmen. Ergänzt werden diese Adapter durch die umfassende Unterstützung der erforderlichen Kommunikationsprotokolle. Firmen wie SEEBURGER und WebMethods bieten solche EDI-Adapter für XI an.
XI – und alles wird gut?
Auch SAP hat mit XI mittlerweile ein eigenes EAI-Produkt im Sortiment. Vor allem für Unternehmen, die bereits heute SAP im grossen Stil einsetzen, bietet XI anstelle anderer EAI-Produkte wesentliche Vorteile. Denn auch XI ist auf den bekannten SAP-Technologien aufgebaut und kann damit relativ einfach in die bestehenden SAP-Umgebungen integriert werden.
Gemäss verschiedenen Hochglanzbroschüren soll dies sogar problemlos möglich sein. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, XI ist ein sehr gutes Produkt. Mein Ziel ist aber, dass Sie verstehen, dass auch beim Einsatz von XI einige entscheidende Punkte zu beachten sind, die wesentlich zu Erfolg oder Misserfolg einer Einführung beitragen werden.
Am einfachsten kann XI wie folgt beschrieben werden: XI hat zum Ziel, die Schnittstellenvielfalt der heutigen heterogenen Systemlandschaften in den Griff zu bekommen. Dazu werden alle Systeme inkl. aller Schnittstellen zwischen diesen Systemen im XI beschrieben. XI hat zusätzlich die Fähigkeit, verschiedene Schnittstellenstrukturen ineinander zu übertragen. Die klassischen Punkt-zu-Punkt-Verbindungen werden abgelöst und neu immer über XI abgewickelt. Das bedeutet, dass jedes System nur noch mit dem XI kommuniziert und dieser die Daten an das entsprechende Empfängersystem weiterleitet.
Durch den Einsatz von XI sollte sich die Schnittstellenlandschaft Ihres Unternehmens langfristig wie folgt verändern:
Abbildung 5 - Schnittstellen-Landschaft ohne XI und dieselbe Schnittstellen-Landschaft mit XI
Wie Sie sehen ist die Schnittstellen-Vielfalt scheinbar verschwunden! Doch wie kommen die Daten innerhalb des XI vom Sender zum richtigen Empfänger? Die ganzen Schnittstellen (Verbindungslinien) der linken Grafik sind nicht wirklich verschwunden, sondern diese Linien werden innerhalb des XI nachgebildet. Der Vorteil dieses Vorgehens ist, dass alle Schnittstellen zentral an einer Stelle definiert sind und die Anzahl Schnittstellen von und zu den Anwendungssystemen kontrollierbar bleibt.
Im folgenden werden die XI-Komponenten möglichst einfach beschrieben. Ziel ist, dass Sie sich am Ende ein Gesamtbild von XI und dessen sinnvollem Einsatz machen können.
Woraus besteht XI denn nun eigentlich?
Wie wir bereits gesehen haben ist XI auch wieder ein SAP-System, das speziell für die Kommunikation zwischen verschiedensten Anwendungssystemen ausgelegt ist. Teile von XI sind in ABAP (die Programmiersprache von SAP) geschrieben, Teile in JAVA. Der interne Meldungsaustausch im XI findet in XML statt, und zwar über SOAP-Meldungen mit Dokumentanlagen. SOAP (Simple Object Access Protocol) ist ein W3C-Standard. Dies war nur ein kleiner Abstecher in die Welt der Protokolle und Sprachen, denn die verschiedenen Entwicklungssprachen sowie deren Zusammenspiel sollen uns hier nicht weiter beschäftigen.
Da XI mit allen umliegenden Systemen kommunizieren können muss, muss er sich deren Anforderungen anpassen. XI übersetzt jede eingehende Meldung in die interne XML-Sprache (XI weiss, in welchem Sprachformat (zBsp IDoc) der Sender seine Daten schickt), macht die geforderten Verarbeitungen (Empfängerermittlung, Mapping, etc.), übersetzt die Meldung in die vom Empfänger geforderte Sprache (XI weiss, in welchem Sprachformat (zBsp IDoc) der Empfänger die Daten erwartet) und schickt die Daten an den Empfänger.
Der Anschluss von XI an die verschiedenen Umsysteme erfolgt über Adapter oder Konnektoren. Folgende Adapter sind verfügbar:
- für bestehenden SAP-Systeme bietet SAP standardmässig RFC- und IDoc-Adapter an
- Drittsysteme lassen sich über Standard-Adapter wie File, SOAP, HTTP oder JAVA anbinden
- die SAP-Marktplatzkomponente MarketSet verfügt über einen entsprechenden Adapter
- Softwarenanbieter wie Siebel, JDE, Oracle, etc. entwickeln ihre eigenen Adapter, um eine problemlose Kommunikation zwischen XI und ihren Anwendungen zu ermöglichen
Idealerweise installieren Sie den XI auf einem eigenen Rechner, denn je nach Last die Sie diesem System später zumuten werden, kann ein eigener Server durchaus von Vorteil sein. Zum XI benötigt man immer auch ein SAP-Basissystem, den so genannten Web Application Server. Der XI unterscheidet die folgenden Hauptgebiete:
- System Landscape Directory (SLD): dient zur Definition aller beteiligten Systeme (SAP und Nicht-SAP) sowie der Softwarekomponenten und Programmversionen, die in Ihrem Unternehmen im Einsatz sind.
- Design (Design): hier speichern Sie alle Definitionen zu Schnittstellen zwischen Systemen (die im SLD definiert sind) inkl. Datenstrukturen und Mappings.
- Konfiguration (Configuration): hier speichern Sie die Beschreibung zu jeder physischen Schnittstelle (d.h. Schnittstellen wo dann auch wirklich Daten fliessen). Das bedeutet, dass auf Basis der Schnittstellendefinition (siehe Design) eine konkrete Schnittstelle zwischen Systemen konfiguriert (definiert) wird.
- Laufzeit (Runtime): im täglichen Betrieb werden Daten zwischen den Systemen ausgetauscht. Dies geschieht über die Schnittstelle, die für diesen speziellen Fall definiert wurde (siehe Konfiguration). Wie wir bereits wissen, haben wir keine Punkt-zu-Punkt-Verbindungen mehr, sondern der Datenaustausch zwischen den Systemen erfolgt über den XI.
Hier nochmals einige weiterführende Erklärungen zu den einzelnen Bereichen.
System Landscape Directory (SLD)
Hier werden alle Informationen zu Ihrer Systemlandschaft gespeichert. Das sind einerseits alle zum Einsatz kommenden Produkte und Softwarekomponenten, andererseits alle Computer-Systeme Ihres Unternehmens.
Alle Systeme Ihres Unternehmens (Test, Qualitätssicherung und Produktion) werden im SLD abgelegt. Weiter werden auch alle Kommunikationswege erfasst, über welche die verschiedenen Systeme erreicht werden können. Ein System kann ein SAP-Mandant, ein Nicht-SAP-System oder ein externes Partnersystem sein.
Im XI sind bereits bei Auslieferung standardmässig alle Informationen zu den SAP-eigenen Produkten und Softwarekomponenten vorhanden. Die aktuellsten Informationen sind auch jederzeit über den SAP-Service-Marktplatz (http://service.sap.com) als Download verfügbar. So können Sie Ihren XI jederzeit mit den aktuellsten SAP-Produkten und Softwarekomponenten versorgen. Auch alle Informationen über Produkte von Drittanbietern legen Sie hier ab.
Die Informationen des System Landscape Directory werden anschliessend in Design und Konfiguration weiterverwendet.
Design
Der XI speichert alle Designdaten im so genannten Integration Repository. Dieses Repository beinhaltet das gesammelte Prozesswissen mit Abbildungsregeln von branchenspezifischen Geschäftsprozessen und deren Umsetzung in die Zielformate der zuständigen Anwendungen wie zBsp ERP, CRM, etc.
Konkret geht es hier um die Sammlung aller notwendigen Informationen, um Daten plattformunabhängig zwischen Partnern und Systemen auszutauschen. Pro Schnittstelle werden alle Informationen in einem Business Szenario abgelegt. Konkret sind dies ein Business Prozess sowie verschiedene Objekte für Mapping, Routing und Interface-Definitionen.
Vergessen Sie nicht, bei diesen Daten handelt es sich erst um das Design. D.h. die hier definierten Business Szenarien sind die plattformunabhängige Basis für die in der Konfiguration zu definierenden, konkreten Schnittstellen. Die Qualität des Designs ist von entscheidender Bedeutung, denn schlechte Qualität wird sich auf alle nachfolgenden Phasen negativ auswirken.
Konfiguration
Der XI speichert alle Konfigurationsdaten im so genannten Integration Directory. Hier geht es um die Definitionen einer konkreten Systemlandschaft. Es sind dies die einzelnen Schnittstellen, über die später Daten zwischen Anwendungen ausgetauscht werden. Dies geschieht auf Basis des Business Szenario (siehe Design). Da es sich um eine konkrete Schnittstelle handelt, müssen wir hier auch Sender- und Empfängersystem definieren. Da wir die Daten jedem Empfänger in der gewünschten Form zur Verfügung stellen wollen, muss dem Empfänger auch die korrekte Schnittstellendefinition (die Form in welcher der Empfänger die Daten haben will) zugeordnet werden. Die Anforderung an verschiedene Schnittstellen oder verschiedene Feldinhalte pro Empfänger kann über ein entsprechendes Mapping erfüllt werden. Die Daten, die über die Schnittstelle ausgetauscht werden bezeichnen wir als Nachricht.
Die Schnittstelle kann einen oder mehrere Empfänger haben. Man kann einen fixen Empfänger vorgeben oder auf Basis des Nachrichteninhaltes einen Empfänger ermitteln. Vorgabe eines festen Empfängers bedeutet, dass das Business Szenario immer ein und denselben Empfänger hat. Regelbasierte Definitionen der Empfängerermittlung bieten den Vorteil, erst zur Laufzeit in Abhängigkeit der übertragenen Daten den richtigen Empfänger inkl. Schnittstellendefinition automatisch zu ermitteln.
Nachdem wir die Konfiguration für eine Schnittstelle abgeschlossen haben, können wird diese Schnittstelle in der Praxis ausführen.
Laufzeit
Wie funktioniert denn der XI nun genau? Wozu sind all die obigen Definitionen überhaupt notwendig? Die echte Ausführung der in der Konfiguration gespeicherten Prozesse findet im Integration Server des XI statt.
Hier ein Beispiel: Auftragsdaten werden von einem Sender an einen Empfänger geschickt:
- das Sendersystem stellt die Auftragsdaten in einer Nachricht zusammen. Das Sendersystem ermittelt, wer der Empfänger dieser Daten ist. Hier ist es der XI.
- die Nachricht wird über den Adapter an den XI übermittelt
- der XI empfängt die Nachricht und übersetzt diese zuerst in die XI-interne Sprache, ein XML-Format
- mit Hilfe der Definitionen in der Konfiguration führt der XI nun die folgenden Verarbeitungsschritte aus:
- auf Basis des Nachrichteninhaltes ermittelt der XI den Empfänger (das nennt man auch logisches Routing)
- dieser Empfänger muss nun in die technischen Informationen übersetzt werden, d.h. man erhält die technische Adresse um das Empfängersystem anzusprechen (dies ist das technische Routing)
- falls notwendig werden empfängerspezifische Übersetzungen (Mapping) gemacht. Das Mapping kann im einfachsten Fall nur ein Wertemapping sein, zBsp aus ‚A’ mach ‚1’. Oder es können ganze Strukturen verändert werden. Durch Strukturmapping können Sender- und Empfängerdokument total verschieden aussehen.
- die Nachricht wird über den Adapter an das Empfängersystem übertragen
- das Empfängersystem verarbeitet die Daten in der Nachricht
Und was passiert bei Fehlern? Wenn der Empfänger nicht verfügbar oder überlastet ist, wenn Fehler in den Daten vorhanden sind, etc?
XI speichert die zu versendenden Nachrichten in einer Warteschlange (einer sogenannten Outbound-Queue). Diese Warteschlange sendet die Daten anschliessend an das Empfängersystem. Schlägt der Versuch fehl gibt der XI nicht gleich auf, sondern das Versenden wird in bestimmten Zeitabständen immer wieder versucht.
Hat aber bereits die Meldung innerhalb des XI zu Fehlern geführt, zBsp sind Muss-Werte nicht vorhanden, das Mapping schlägt aus irgendwelchen Gründen fehl, es kann kein Empfänger ermittelt werden, etc, dann wird die Nachricht mit entsprechenden Fehlermeldungen im XI gespeichert. Der XI-Administrator kann hier jederzeit nachvollziehen, warum eine Nachricht nicht versendet werden konnte. Er kann die Nachricht allenfalls korrigieren und nochmals anstossen. So ist sichergestellt, dass keine Nachricht spurlos verloren geht.
Wann ist XI wirklich sinnvoll?
Wie bei allen Systemen und Produkten der Informationsverarbeitung – so auch bei XI - kommt es auf den richtigen Einsatz an. Richtig eingesetzt ist hier ein immenses Potential zur Vereinfachung der Systemintegration vorhanden.
Aber auch mit dem Einsatz von XI steht der Mensch immer noch im Mittelpunkt. Er muss entscheiden, welche Systeme eingesetzt und welche Schnittstellen realisiert werden. Ist das geklärt, kann man mit Hilfe von XI die entsprechenden Definitionen ausführen. XI ist ein grosser Topf, der alle Informationen über Systeme und Schnittstellen enthält.
Aber aufgepasst, das ist nicht bloss ein Job so nebenbei. Um die Schnittstellen definieren zu können müssen die zuständigen Mitarbeiter auch die Systeme und Anwendungen verstehen, wenigstens bis zu einen gewissen Punkt. Bei neuen Anforderungen müssen Sie sicherstellen, wenn möglich bereits existierende Schnittstellendefinitionen wieder zu verwenden und nicht jedes Mal das Rad neu zu erfinden. Dies zwingt zu einem sauberen Arbeiten innerhalb des XI. Denn Sie wissen, jedes System ist nur so gut wie die Personen, die es anwenden. Richtig eingesetzt senkt XI den Wartungsaufwand bereits existierender Schnittstellen und unterstützt zusätzlich auch die schnellere Einführung von neuen Schnittstellen.
Hier nochmals zusammengefasst die wichtigsten Vorteile, die sich beim Einsatz von XI langfristig ergeben:
- XI ist eine Kommunikationsdrehscheibe (neudeutsch auch bekannt als „Hub“), vergleichbar mit einem Informationsmarktplatz, der die Informationen an die richtigen Stellen (hier Empfängersysteme) weiterleitet
- XI bietet unternehmensweit ein einheitliches Format für die Systemintegration
- das Integrations-Know-how wird zentral an einer Stelle gebündelt, indem die Business Szenarien mit den entsprechenden Dokumenten und Schnittstellen zentral im XI definiert und dokumentiert werden
- beliebige Skalierbarkeit, indem mehrere XI zwecks besserer Lastverteilung eingesetzt werden können
- Kostensenkung durch Reduktion der Wartung bestehender Schnittstellen sowie schnellerer Einführung neuer Schnittstellen
Sollen alle Schnittstellen durch XI abgelöst werden?
Eine der zentralsten Fragen bei der Einführung von Integrationsplattformen ist: „Sollen alle Schnittstellen ersetzt werden?“. Diese Frage stellt sich immer, egal welches Produkt eingeführt wird. Die Antwort ist: „Es gibt kein richtig oder falsch, sondern je nach Standpunkt Ihres Unternehmens ein besser oder schlechter!“.
Vor allem im SAP-Bereich existiert diese Situation. Gewisse Schnittstellen zwischen SAP-Systemen benutzen Techniken, die über Jahre hinweg von SAP verfeinert und optimiert wurden. Ein Beispiel hierfür ist der Stammdatenaustausch über ALE (Application Link Enabling = eine Technik um SAP-Anwendungssysteme miteinander zu verbinden und Daten auszutauschen). Diese Schnittstellen sind voll in die SAP-Welt integriert und speziell für die entsprechenden Geschäftsszenarien entwickelt worden. Als positiver Nebeneffekt sind diese Schnittstellen über die lange Entwicklungszeit hinweg sehr stabil und auch sehr performant geworden.
Vergessen Sie nicht, mit dem Einsatz von XI soll es langfristig keine Punkt-zu-Punkt-Verbindungen zwischen den Systemen mehr geben, sondern die Daten werden immer über den „Umweg“ XI ausgetauscht. Wie Sie wissen muss der XI einige Aufgaben erledigen, um die Daten im korrekten Format an den richtigen Empfänger zu senden. Übersetzung in das XI-interne XML-Format, Empfängerermittlung, Mapping, Fehlerbehandlung; um nur einige zu nennen.
Damit ist klar, dass der XI den spezialisierten SAP-Schnittstellen in Sachen Geschwindigkeit nicht das Wasser reichen kann. Wenn Sie über eine solche Schnittstelle ein entsprechend grosses Datenvolumen abwickeln und Geschwindigkeit eine der Hauptanforderungen an die Schnittstelle ist, dann werden Sie hier mit Vorteil nicht auf XI umstellen. Trotzdem sollten Sie die Definition der Schnittstelle im XI ablegen, denn damit haben Sie alle Schnittstellen-Definitionen zentral an einer Stelle abgelegt.
Wenn aber die Definition und Implementierung aller Schnittstellen über denselben Ansatz als wichtigstes Kriterium im Vordergrund steht, dann werden Sie auch solche Schnittstellen im XI abbilden.
So lösen Sie bestehende Systemlandschaften ab!
Integrationsprojekte werden in einem Unternehmen nicht auf grüner Wiese gestartet, sondern Sie müssen die Integrationsplattform in eine bestehende, meist sehr komplexe Systemlandschaft mit hunderten von Systemen und Schnittstellen integrieren.
Als erstes müssen Sie entscheiden, welche der bestehenden Schnittstellen über XI abgelöst werden sollen und welche Schnittstellen unverändert weitergeführt werden. Alle abzulösenden Schnittstellen auf einmal umzustellen (auch bekannt als Big Bang) bringt wesentlich mehr Nachteile als Vorteile mit sich, so unter anderem:
- hoher Aufwand um alle bestehenden Schnittstellen abzulösen
- hohe Einführungskosten
- lange Projektlaufzeit bevor überhaupt konkrete Resultate vorliegen. Die Motivation der Mitarbeiter wird dadurch schwierig.
- viele Ressourcen werden durch dieses Projekt gebunden und damit sind Sie nicht verfügbar für neue wichtige Vorhaben im Unternehmen
- hohes Projektrisiko, da verschiedene Schnittstellen nach der Umstellung nicht mehr funktionieren werden
Und erlauben Sie mir die Frage, was haben Sie in Ihrem Unternehmen wirklich gewonnen, wenn Sie alle Schnittstellen auf einen Schlag umstellen? Hält dieser Ansatz einer Kosten-Nutzen-Rechung stand? Ich denke nicht, denn nüchtern betrachtet werden immer noch „bloss“ Daten zwischen Systemen hin und her geschoben. Der Nutzen von XI muss als Langzeitinvestition betrachtet und geplant werden. Um die Kosten im Griff zu halten ist deshalb auch die Einführung von XI über einen entsprechenden Zeitraum zu planen. Was also ist denn nun ein sinnvoller Ansatz für eine XI-Einführung?
Beim Aufbau der Infrastruktur rund um XI gehen Sie schrittweise vor. Nehmen Sie sich die Schnittstellen einzeln vor, d.h. jede Schnittstelle, die aufgrund von Anforderungen sowieso angepasst werden muss, wird auch gleichzeitig auf XI umgestellt. Neue Schnittstellen bauen Sie direkt im XI auf. Hier einige Argumente, die für dieses Vorgehen sprechen:
- der Aufwand wird auf einen längeren Zeitraum verteilt, da die Schnittstellen allmählich abgelöst werden
- die Kosten sinken, da Sie auf eine längere Zeit verteilt werden
- es liegen relativ schnell erste Resultate vor. Damit ist auch die Motivation der Mitarbeiter wesentlich grösser
- das Projektrisiko wird minimiert, da jede Schnittstelle einzeln getestet und in die Produktivumgebung übergeben wird
Hier noch ein weiterer wichtiger Grund, wieso der Einsatz von XI in jedem Fall einen grossen Vorteil für Ihr Unternehmen bringt. Wie wir gesehen haben werden zuerst alle Informationen zur Systemlandschaft Ihres Unternehmens im XI abgelegt. D.h. auch wenn Sie nicht alle Schnittstellen direkt auf XI umstellen, so können Sie doch mit Hilfe von XI alle Schnittstellendefinitionen zentral an einer Stelle ablegen. Das bedeutet, dass auch die nicht über XI laufenden Schnittstellen hier dokumentiert sind. Somit haben alle Mitarbeiter Zugriff auf dieselbe aktuelle Informationsbasis, wenn es um bestehende Schnittstellen und Systeme im Unternehmen geht.
Wer soll das alles bezahlen?
Ich habe Ihnen nun verschiedene Ansätze zur Einführung von XI in einer bestehenden Systemlandschaft gezeigt. Ich kann mir aber vorstellen, dass Sie mindestens eine Frage immer noch brennend interessiert, nämlich die Kosten? Wird ein XI-System im Unternehmen eingeführt, zieht das unabhängig vom Einführungsvorgehen (Big Bang oder schrittweise) gewisse Kosten nach sich. Dies sind einerseits die Kosten für Hard- und Software (sprich XI), andererseits die laufenden Kosten für die Mitarbeiter.
Die Kosten für Hardware lassen sich nicht vermeiden. Es ist in jedem Fall sehr empfehlenswert, den XI auf einem eigenen Rechner zu installieren. Je nach Skalierung können daraus auch mehrere Rechner werden, dies vor allem in Anhängigkeit der Anzahl Systeme und Schnittstellen in Ihrem Unternehmen. Die Softwarekosten sind je nach Umfang der bestehenden SAP-Lizenzverträge Ihres Unternehmens mit SAP sehr unterschiedlich. Bei entsprechenden SAP-Lizenzen ist der XI sogar gratis.
Auch die Kosten für die Mitarbeiter, d.h. Ausbildung und Arbeitszeit am XI, dürfen nicht unterschätzt werden. Bei Einsatz eines XI im Unternehmen werden Sie Mitarbeiter brauchen, die sich auf diesem System das notwendige Wissen aufbauen und andere Mitarbeiter beim Einsatz von XI unterstützen. Deshalb werden Sie wohl oder übel eine Art „XI-Competence Center“ aufbauen müssen, wo das entsprechende XI-Wissen für das Unternehmen abrufbar ist. Am sinnvollsten werden Sie es mit Vollzeit-Mitarbeitern bestücken.
Aber keine Angst, XI bedeutet nicht, dass Sie neue Mitarbeiter einstellen müssen. Denn durch XI werden die Punkt-zu-Punkt-Verbindungen verschwinden. Die hier freiwerdenden Kapazitäten können Sie auf den XI übertragen. Gleichzeitig können Sie motivierten Mitarbeitern ein neues und interessantes Arbeitsgebiet anbieten. Denn Integrationsplattformen wie XI werden zukünftig in allen Unternehmen sehr stark an Bedeutung gewinnen, da sie die Ausgestaltung der Geschäftsprozesse von morgen entscheidend prägen werden.
Und nun wie weiter?
An dieser Stelle sollten Sie nun ein allgemeines Verständnis für XI haben, d.h. wie wird der XI in eine bestehende Landschaft integriert, was sind sinnvolle Einsatzgebiete von XI, was sind mögliche Vorgehensweisen bei der Ablösung der bestehenden Schnittstellenlandschaft mit XI, etc?
Wie bereits angesprochen hat die Systemintegration in den letzten Jahren sehr stark an Bedeutung zugenommen. Durch immer neue Geschäftsmodelle ändern sich auch die Anforderungen und Ansprüche an die Datenverarbeitung. Auch die Systemlandschaft muss sich modernster Technologien bedienen, um diesen neuen Anforderungen gerecht werden zu können.
Sie verfügen nun über das notwendige Verständnis, um in Ihrem Unternehmen beim Thema Systemintegration entscheidend mitwirken zu können. Ich wünsche Ihnen nun viel Motivation und Spass beim Aufbruch in eine interessante, aber auch sehr herausfordernde Zukunft in der Welt der „voll-integrierten“ Systemlandschaften.
Aktuell
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Bernhard Troger
Mitglied der Geschäftsleitung
Leiter Entwicklung & Finanzen
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